Radsport ist essenziell.

Amstel Gold – Valkenburg Rock City

Hennie Kuiper, Joop Zoetemelk und Jan Raas: Holländer from Hell

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Heute geht’s zum Wandertag nach Limburg. Eine Rumpftruppe des glorreichen ASV Hartsattel Tauberriemen versprüht seine Klasse Rund um das rege Partynest Valkenburg. Natürlich im leichten Bierzwirn. Radfahren ist heute für Profis. Das Schöne: Man braucht am Cauberg nicht mal die Kneipe zu verlassen, um das Finale zu sehen. Bedenklich: Außer mir bestellt dort keiner Amstel Gold Bräu.

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Ronde!

Foto von nieuwsblad.be

Die “Drei Daagse de Panne” sind vorbei, und was klingt wie Reifenwechsel ist doch nur ein harter Vorgeschmack auf den Klassiker der besonderen Art. Die niederländisch verwurzelten Belgier haben keinen Karneval, kein Schützenfest und vermutlich auch kein Weihnachten oder Neujahr. Sie haben ihre Kartoffelacker für die Fritten und einmal im Jahr die Ronde van Vlaanderen. Sie haben auch ihre 37.000 Biersorten nur gebraut, um die alle komplett an diesem einen Tag im April leer zu trinken. Wenn sie nicht gerade Rad fahren, um Volksheld zu werden oder nach unserem Verständnis Prinz Karneval, Schützenkönig und Weihnachtsmann in einer Person.

Belgiern, die die Ronde gewinnen, wird unaufhörlich und über das Lebensende hinaus gehuldigt so wie bei uns Boris Becker und sie kriegen ihr irdisches Dasein lang Fritten umsonst. So wie Eddy Merckx oder Boris Becker. Oder Tom Boonen, der eigentlich nicht mehr Rad fahren bräuchte, es aber noch tut, weil er es kann und weil sein Klassikerschatten Pipo Pozzato auch nicht daran denkt, aufzuhören. Boonen ist Staatsangelegenheit von der Bedeutung unserer Nationalmannschaft, doch während unsere Schweinsteiger nur alle 2 Jahre zu Höchstform berufen werden, muss Tomeke Jahr für Jahr Die Ronde und Paris-Roubaix und die Weltmeisterschaft gewinnen. Fies, dass ausgerechnet Schweizer, Slowaken und Pulheimer zu diesem nationalen Manifest eingeladen werden. Oder auch nicht. Natürlich gewinnt entweder Cancellara oder Sagan. Natürlich würde Gerald Ciolek Vlaanderens Mooiste gewinnen, wenn sie sein afrikanisches Zweitligateam tatsächlich eingeladen hätten. Natürlich können auch andere noch toll Rad fahren.
Boonen stapelt tief, er fühle sich nicht fit, sagt er. Gilbert, der Wallone, hat abgesagt und trainiert für die Ardennen.

Rudi Altig (1964) und Steffen Wesemann (2004) sind die einzigen deutschen Fahrer, die in der langen Geschichte die Flandern-Rundfahrt gewinnen konnten. Ich selbst habe immer eine “Wese”-Signature Pumpe bei mir, weil ich sicher bin, dass ein Fahrer, der bei “de Panne” abgeliefert hat und dem “Kasseien” (Kopfsteinpflaster) und “Hellingen” (steile Hubbel längs Kartoffelackern) nix anhaben konnten auch eine gute Pumpe empfiehlt.

Seit sie die Muur van Geraardsbergen abgeschafft haben äußere ich mich nicht mehr zur Strecke. Sollen sie doch sehen, wo sie lang müssen. Und sollen sie doch selber sehen, was sie davon haben, bei 2 Grad minus Radrennen zu fahren. Ich schaue mollig warm eingewickelt zu, sobald der Stream läuft und saufe local Erdbeerbier aus Champagnerschwenkern. Und außer Fritten gibt’s morgen nur Majo.
Eddy Merckx hat die Ronde nur zweimal gewinnen können. 1974 als Weltmeister. Es gibt diffuses Filmmaterial. Als der Kannibale nach dem Rennen entspannt mit den Journalisten plaudert, kämpft der Rivale rechts neben ihm auf seiner eigenen PK mit dem durch Merckx auf der Rennstrecke verursachten Brechreiz. Als vorgezogene Reminiszenz an das morgige Frösteln kann man parallel ein Video starten, dass ein wenig sommerliche Strandathmo beiträgt.

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CIOLEK mich am Arsch!!!

17:59
Wer gewinnt ein grausames, krankes, episches MSR? Ne Kölsche.
Wo war er all die Jahre? Egal. Heute haut Gerald Ciolek klatschnass Peter Forrest Sagan und Fabian Spartacus Cancellara mit einem 250 Tausend Meter Sprint weg. Legende!

CIOLEK!!!

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1 Ciolek, 2 Sagan, 3 Cancellara (Foto: Sporza)

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Aisland – San Thermo

Darf man sich als praktizierender Öko (Radfahrer sind immer per se unweigerlich Vorzeigeökologen) eigentlich kurzfristig ein bisschen Erderwärmung wünschen?

Die Ausreißer

16:50
Vincenzo Nibali lässt sich zum Auto zurückfallen, entledigt sich seiner Regenjacken. Er macht sich bereit für die Schlacht, meint man erwartungsfroh. Der hat was vor, ist man sich sicher. Freihändig zupft er an seinen Leibchen und schiebt sich in den Serpentinen an den Teamwagen vorbei. Was für ein Bär, was für ein Bild der Stärke. Doch was ist das? Er fährt rechts ran. Fühlt er sich so gut, dass er den anderen noch etwas Vorsprung gönnt? Ein Betreuer nestelt an seinem Rücken rum. Er,… unmöglich. Er nimmt das Nümmerchen ab, fährt wieder los, biegt an der nächsten Kreuzung rechts ab. Abkürzung zum Hotel. Ciao Vincenzo, du aufgeweichter Gummibär.

17:35
Gilbert legt sein schwarzes Anonymous-Westchen ab und zeigt allen, wer Weltmeister ist. Er siegt auf der Abfahrt der Cipressa in der Kategorie “nackter Wahnsinn”.

Die Straße nass, die Kurven eng - gut, dass Gilbert Slicks am Rad hat.

17:48

Sagan, Cancellara, Ciolek auf Siegkurs

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Want Chocolate?

16:00
Sagan hat eine einfache Strategie: So tun, als sei man ein bisschen blöd, um am Ende kurz in die Pralinenkiste zu greifen. Treten, Forrest, treten.

Mmmmh, schön kalt

15:15
Schneeregen und 3 Grad plus. Schnee auf dem Turchino-Pass veranlaßt die Veranstalter von Mailand-San Remo, das Rennen für 2 Stunden zu unterbrechen und 130 k vor dem Ziel wieder aufzunehmen. Die Ausreißer behalten ihre 7 Minuten Vorsprung und dürfen ausgeruht ins Finale. Nach dem Neustart gibt Sagan den Befehl zur Attacke. Seine Cannondale Lakaien dürfen sich an der Spitze des Feldes aufwärmen. Boonen bleibt im Bus. Ein paar Twitterbilder während der Zwangspause:

Keiner hat Bock. Sagan hat immer Bock. Kuchen - lecker.

Fabian Wegmann: Es ist die Kälte, nicht Botox
Philippe Gilbert schützt seine empfindliche Haut vor der Sonne.

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Endlich Frühling!


Foto von hier

Prima vera corsa, das erste “echte” Rennen des Jahres, führt das Peloton fast 300 lange Kilometer vom frischen Norden Italiens an die milde Mittelmeerküste nach San Remo. Ein illustres Starterfeld fährt um den Sieg bei dem Rennen, dass Eddy Merckx gleich 7 Mal gewinnen konnte. Letztes Jahr gewann mit Simon Gerrans ein Außenseiter, dieses Jahr stehen ein paar gestandene Böcke Schlange, um schon im März den Vogel des Jahres abzuschießen. Cancellara, Gilbert, Cavendish, Boonen, Nibali und – Junge, Junge – Sagan sind die Typen, die richtig Bock haben. Mit Greipel, Ciolek, Wegmann und Degenkolb können ein paar Hiesige bis zum Schluss mitfahren. Ich persönlich kann ein paar Bilder mit Radrennfahrern in kurzen Hosen gut vertragen und freue mich wie selten auf den Beginn der Klassiker. Eurosport überträgt das Rennen erst ab 16:15, so dass ab 14:30 ein Livestream her muss. Meine drei für’s Podium: Degenkolb, Sagan und Eddy B. Hagen.

Die Küstenhügel Cipressa und Poggio gelten als Schlüsselstellen. Sie sind ein Traum für Hobbymilben. Nicht zu lang, nicht zu steil, mitten in der Stadt, wo man sich vor Passanten etwas aufplustern kann, die pittoresken Häuser, das Meer, der Schnee – äh – die Sonne. Die Pros fahren da natürlich mit dem Gebiss am Unterlenker und das Bein an der Scheibe hoch. Manch einer verbremst sich bergauf, denn nach 275 k besteht der Athlet nur noch Knallgas und ist frisch mit der hübschen Tess Tosteron verlobt.  Robby McEwen würde sagen: “It’ a sting in the tail”.

Cipressa, Poggio, Sanremo

Grafik von hier

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Primavera

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Mailand – San scheiß auf den Schnee Remo

Bild von cyclingnews.com

Mit Rollentraining verbinde ich immer noch eher das Auswendiglernen überbewerteter Dreiakter für’s Schultheater als die formgebende Kasteiung im Keller. Für einen gefragten Familienvater wie mich ist das Credo beim Radfahren: Raus aus dem Haus! Ab ins Grüne, der Sonne entgegen und niemals dem Mittelgebirge feige den Rücken kehren. Lieber einen dicken Gang über den Mittelgebirgsrücken drücken. Das hilft zu vergessen, dass die Kleinste unter Durchfall leidet, der Erstklässler pubertär die Schule verweigert, Nummer zwei der Thronfolge der Pausentoast etwas zu cross war und die Älteste gerne hätte, dass Papi ihre Quartalsarbeit schreibt. 9 Stunden vor Abgabe. Verbliebe ich zum Training an einen Rotor gekettet im Haus, könnte ich mir gleich einen Aufkleber mit der Aufschrift “Beschwerdestelle” oder “SEK” an die Stirn pappen. Ansagen wie: “Papa kann jetzt nicht, er trainiert”, werden mit Informationen wie “J. und L. streiten sich ums Kochmesser” oder “M hat J. die Bernsteinkette in die Nase gesteckt” totgeschlagen. Ach ja, ich weiß, wer jammert, gewinnt keinen Klassiker, aber der Winter geht mir gerade auf den Sack, der droht, in Peking umzufallen. “Der eingebildete Kranke” oder “der gute Mensch von Sezuan” waren Schultheaterstücke von der Süffigkeit eines Stilfser Jochs, das erst dann sein Postkartenpanorama hergibt, nachdem man sich bei Kehre 3  schon 4 Mal in den verfluchten Etschbach stürzen wollte. Momentan jedenfalls verbringe ichin Anbetracht der aktuellen Wetterlage meine Freizeit überwiegende damit, mit schiefem Blick am Mobiliar entlang durch die Bude zu streifen und tranig gen Himmel zu starren, wenn ich gerade am Fensterglas entlang schleiche. Dem vom Wetter gedrosselten und eingepferchten Athleten widmete schon Hobbyrennfahrer R.M. Rillke ein paar derpressive Verse und traf dabei ziemlich ins Schwarze.

Der Panther
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Bewegt kühle ich meine Warzen auf der Veranda im Eis, während ich mich frage, warum Rilke, Goethe und Schiller im Curriculum als Klassiker durchgehen, Boonen, Cancellara und Gilbert aber eher nicht.

Kleiner Einwurf, apropos Klassiker : Wer “Das Rennen” von Tim Krabbé (Reclam Verlag!, 8,90 €) nicht gelesen hat, ist die Luft nicht wert, die er in seinen Reifen pumpt.

Ein Panthersprung hätte Erik Zabel 2004 statt einer Jubelpose genügt, um sein fünftes Mailand – San Remo zu gewinnen und damit als Rekordhalter Sportchef zu werden. Er jubelt, sackt aber gleichzeitig wie eine löchrige Hüpfburg in sich zusammen, als Oscar Fuckin’ Freire vorbeischiebt. Ein Ärgernis nach 300 K. Heute sind sie versöhnt und promoten meinen local dealer aus Koblenz.

Sonntag ist wieder Klassikerstart in Italien und ich hoffte auf etwas Sonnenschein via TV. Die Wetterprognosen an der Mittelmeerküste sind allerdings eher bescheiden. Es wird belgisch feucht. Den Poggio werden sie trotzdem alle in kurzen Klamotten hochfahren, da Laktat ein feines Stövchen ist. Mein Poggio liegt zwischen Bürvenich und Düttling und den werde ich am Sonntag Morgen in molligem Roubaix-Flausch anfahren. Dann ab auf’s Sofa, Füße hoch und Klassiker gucken. Mit – wie ehedem zu Schultheaterzeiten – Einschlafgarantie!

Wer gewinnt am Sonntag? Nur einer. John John Fucking John Degenkolb.

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